Murmeln XIV - Rui Chafes

Die Materialität des Eisens auflösen durch das Geschick der Hand – so versteht Rui Chafes Bildhauerei. Der Künstler, der nach seinem Bildhauerstudium in Lissabon der 1980er Jahre zu Beginn der 1990er nach Düsseldorf ging, dort zwei Jahre blieb, bei Gerhard Merz arbeitete und im „Nebenfach“ Novalis ins Portugiesische übertrug, misstraut den üblichen Trennungen zwischen sogenannter „zeitgenössischer“ und „historischer“ Kunst. Für Chafes, den die revolutionäre Haltung eines Renaissancekünstlers wie Tilmann Riemenschneider beeindruckt, zählt nur dies, ein Kunstschaffen als Seins- und Grenzerfahrung. In seiner Radikalität steht der 1966 geborene Bildhauer dem Denken von Beuys nah und dessen apodiktischer Forderung: „Angesichts des Todes, was hat da Wichtigkeit?“.

Rui Chafes hämmert, schneidet, schleift, schweißt die Eisenblätter, mit denen er arbeitet, verwandelt sie in fliegende gedrehte Linien, die frei im Raum schweben, oder baut sie zusammen zu quadratischen Kästen, deren innere Dunkelheit er durch vergitterte kleine Luken sichtbar macht. Manchmal können sich diese Skulpturen auswachsen zu räumlichen Gebilden, zu begehbaren Bildwerken. Doris von Drathen